Only God Forgives (Tiberius Film)

Only God Forgives (Tiberius Film)

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Albtraumhafte Reise ans Ende der Nacht der Drive-Macher über einen jungen Amerikaner in Bangkok, der auf einen Rachefeldzug geschickt werden soll. Wie man auf Only God Forgives reagiert, hängt vermutlich stark von der persönlichen Erwartungshaltung hat. Wer sich einen zweiten Drive gewünscht hat, mit dem der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn 2011 seinen Durchbruch feierte und der ihm den Regiepreis des 64. Festival de Cannes einbrachte, ein Lehrstück in cooler Action, wird von dem langsamen Tempo und der bestenfalls in Fragmenten existierenden Geschichte irritiert sein. Wer Refn schon davor schätzte, für seine enigmatischen Meditationen über männliche Gewalt in Bronson und Valhalla Rising, wird sich wohl auch in Only God Forgives und seiner so aufreizend artifiziellen Welt der Macho-Riten zurecht finden, auch wenn Refn hier seinen Fetisch für überbordende Gewaltexzesse mit einem Maximum an Nihilismus auslebt: Seine in Blut ertränkte, hyperstilisierte Reise ans Ende der Nacht in Bangkok wirkt, als hätte Wong Kar Wai sich an einem Stoff von Gaspar Noé versucht: Fast der komplette Film, wie immer bei Refn chronologisch gedreht, spielt bei Nacht, ist in kräftige Neonfarben getaucht und ist aufgeladen mit überdeutlicher Symbolik. Selten war so viel Rot in einem Film, der Showdown von Taxi Driver zum einen in Zeitlupe gedreht und gleichzeitig auf Spielfilmlänge gestreckt. Die Brüder Julian und Billy haben sich aus den USA abgesetzt hat, um in Bangkok einen Muay-Thai-Boxclub zu betreiben, der allerdings nur Vorwand ist, um harte Drogen an den Mann zu bringen. Beide Brüder sind wenig zimperlich, doch während Julian seine Regungen hinter einem Pokerface verbirgt, lebt Billy seine Psychosen ungezügelt aus. Zeit, den Teufel zu besuchen, sagt er und gibt damit die Losung für die kommenden 80 Minuten aus. Er vergewaltigt und tötet eine 16-jährige Prostituierte und ruft damit die zwei dämonischsten Figuren des Films auf den Plan: zum einen den scheinbar allmächtigen Polizeibeamten Chang, der mit seinem Samuraischwert nicht nur eine Schneise der Furcht schneidet, sondern auch menschliche Körper mit geringem körperlichen Aufwand tranchiert, zum anderen Julians Furcht erregende Mutter Crystal, die keine Gelegenheit auslässt, ihren jüngeren Sohn spüren zu lassen, dass sie seinen Bruder immer bevorzugt hat, und die Dinge in die Hand nimmt, als Julian die geplante Rache abbläst. Fortan unterläuft der Film alle Erwartungen: Mit einem infernalischen Dröhnen als Dauersoundtrack im Hintergrund, was nicht der einzige Verweis auf David Lynchs Blue Velvet und Lost Highway ist, folgt eine Reihe nicht unbedingt logisch bedingter, bewusst antiklimaktischer Konfrontationen, aus denen ein Duell zwischen Julian und Chang herausragt, in dem Julian, schick im Dreiteiler mit Krawatte, nicht einen Schlag landen kann und von seinem Kontrahenten traktiert wird, bis sein Antlitz mehr wie Hackfleisch aussieht als das so zarte Babyface Goslings. Es ist ein Film voller hoch erhobener Schwerter und Klingen und abgetrennter Gliedmaßen, eine einzige Kastrationsfantasie, deren eigenwilliger und kompromissloser Vision man sich entgegen stemmen mag, aber nicht entziehen kann. Refn hat den Film Alejandro Jodorowsky gewidmet. Wer dessen subversiv-surreale Bilderstürme El Topo und Montana Sacra kennt und nun Only God Forgives sieht, weiß warum. ts. Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag