The Big Short (Universal Pictures)

The Big Short (Universal Pictures)

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5053083071721
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Die Wahrheit ist wie Poesie. Die Menschen mögen keine Poesie. Diese Schrifttafel wird eingeblendet im Verlauf von Adam McKays furioser Farce über eine kleine Gruppe von Glücksrittern, die den Börsencrash von 2008 vorhersagt und sich im Auge des Hurricanes befindet, als die Welt - fast - untergeht. Sie umschreibt einerseits, warum es überhaupt zu der Finanzkatastrophe kommen konnte, und umreißt andererseits die Aufgabe, die die Adaption von Michael Lewis gleichnamigen Tatsachenromans zu wuppen hat. Wenn sich schon damals, als es wirklich ans Eingemachte ging, niemand so recht dafür interessiert hat, warum die Immobilienblase platzte und fast die gesamte zivilisierte Welt in den Abgrund stürzte, warum würde man sich dann eine bitterböse Abrechnung mit amerikanischer Gier ansehen wollen, die im Grunde ein großes Spiel mit unentwirrbar scheinenden Fachtermini und Kapitalismustheorie ist? Es ist ein schmutziger Job, und McKay, bislang eigentlich gemeinsam mit seinem Mitstreiter Will Ferrell spezialisiert auf absurden Slapstick wie die Anchorman-Filme, Ricky Bobby - König der Rennfahrer oder Die etwas anderen Cops, meistert sie mit einem Film in der guten Tradition alles auf eine Karte setzender Politsatiren wie Dr. Seltsam oder Nashville: Man will lachen, aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken. Weil man wütend ist und fassungslos und entsetzt über das offensichtlich kriminelle Verhalten der Wölfe der Wall Street. Aber auch weil man beschäftigt ist, die gnadenlos auf den Zuschauer niederprasselnden Einblicke in die verbrecherische Absurdität der Finanzwelt, die sich an ihrem eigenen Achselgeruch zu berauschen scheint wie einst Kevin Kline in Ein Fisch namens Wanda. Was klingen mag wie eine anstrengende Zeit im Kinosessel, ist aber doch das Alleinstellungsmerkmal des Film: Der Spaß kommt ja gerade daher, dass man all die Insiderinfos gesteckt bekommt, bis einem der Kopf schwirrt. The Big Short ist, als hätte man The Wolf of Wall Street noch einmal als Extremsport-Actionkomödie gedreht: Wie die verzweifelten Helden des Films, gespielt von der Hollywood-Superstarriege Christian Bale, Ryan Gosling und Steve Carell sowie in einem entspannten Gastauftritt Brad Pitt, zunächst ihrem Instinkt folgen, dann feststellen, dass an ihrer Theorie eines aufgeblähten Markts, der platzen muss, etwas dran ist, und schließlich im Minutentakt verarbeiten müssen, dass alles noch viel, viel schlimmer und schmutziger ist, als selbst sie, die von Banken, Wirtschaftsexperten und Presse verlacht werden, es sich gedacht hätten, gleicht einem Hindernisparcours auf der größten und mörderischsten Welle, die man surfen kann. Dass man selbst einen Autisten wie den barfuß ins Büro schlurfenden und Metallica hörenden Zahlenguru Michael Burry (Bale) oder einen ausgewiesenen Unsympathen wie den gelackten und zynischen, stets die Hände aufhaltenden Banker Jared Vennett (Gosling) bereitwillig als Helden akzeptiert, sagt Einiges aus darüber, wie verrottet die Welt ist, in die sich der Film in einem sich regelrecht überschlagenden Bildersturm voller visueller Einfälle und verrückter Ideen wagt. Zum Glück gibt es auch eine Identifikationsfigur, an die man sich als Zuschauer haften kann: Ausgerechnet der cholerische und barsche Fondsmanager Mark Baum, gespielt von Steve Carell, erweist sich als Stimme der Vernunft, hat ein Gewissen und eine Seele und konfrontiert in seiner hinreißend direkten Art diejenigen, die die Welt sehenden Auges in den Abgrund treiben. Lachend in die Kreissäge, nennt man das, was The Big Short anstellt: Wenn es nicht so traurig wäre, sagt der Film von Adam McKay, würde man sich ausschütten vor lachen. ts. Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag