Frau mit Einkaufstaschen

Cookies Fortune - Aufruhr In Holly Springs (Studiocanal)

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8,79 €
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4006680082455
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Es ist schon erstaunlich, mit welcher Souveränität und nicht nachlassender Inszenierungskunst Regie-Altmeister Robert Altman ein Gesellschaftspanorama nach dem anderen produziert und beinahe stets ein Meisterwerk dabei herauskommt. Z.B. dieses über eine kleine, verschlafene Gemeinde irgendwo am Mississippi, wo die Einwohner noch leben, als wäre das 19. Jahrhundert nie zu Ende gegangen und als müsse Scarlett OHara um die nächste Straßenecke biegen. In Holy Springs ist das Kavaliertum des Alten Südens nie vergangen, wirkt der verlangsamte Rhythmus des Alltags wie jener schleppende Blues aus dem Delta, der dem Film seinen musikalischen Stempel aufdrückt, eine wunderbar entspannte Kleinstadtballade und Krimifarce, Sozialsatire und Studie über Liebe, Neid, Heuchelei und jenes sympathische Chaos, das diese Welt im Innersten zusammenhält. Altman beobachtet das Treiben seiner Delta Ladies und Blues Men, als hätte er mit dem großen amerikanischen Romancier William Faulkner gemächlich beim Angeln einen Wild Turkey-Whiskey getrunken und zwischendurch eine Catfish Enchillada verspeist., wie sie Willis gern seiner Titelheldin Cookie zubereitet. Willis (in behäbiger Gelassenheit: Charles S. Dutton) hat die verbalen Ausfälle und arthritischen Bizarrerien seiner alten Freundin Cookie (Patricia Neal als Witwe mit Damenpfeifen und Wehmutsfaktor) ruhig akzeptiert. Er führt während seines nächtlichen Spaziergangs gemächlich schlendernd in Altmans subversive Comedy of Manners. Als sich Cookie aus Sehnsucht nach dem längst hingeschiedenen Gatten in den Kopf schießt, steht Holy Springs für eine ganze Weile Kopf. Ihre Nichten Camille (Glenn Closen als Cruella de Vil in Blümchen-Look), die streng presbyterianisch Oscar Wildes Salome in ihrer gereinigten Fassung einstudiert, und Cora (Julianne Moore als debil verschärfte Schleiertänzerin) wollen ans Erbe, während Coras zurückgekehrte Tochter Emma (Liv Tyler bildschön mit Kurzhaar, Latzhose und Tramp-Erfahrung) vor allem auf die Quickies mit dem naiven Jungpolizisten Jason (Chris ODonnell als Cop-Karikatur mit Einklemm-Garantie) scharf ist. Camille läßt Cookies Selbstmord wie einen raubmord aussehen, lenkt aus verrücktem Puritanismus den Verdacht auf Willis und wird, während sich die wirklichen Verwandtschaftsverhältnisse permanet verkomplizieren, bei der Premiere von Salome ihren Blues erleben. Altman vernetzt diese und andere Personen, den Polizeichef, einen zugereisten schwarzen Ermittler, einen Barbesitzer, einen Tankwart, einen Anwalt, eine Bluessängerin, eine Polizistin, in seiner gewohnt multiperspektivischen Erzählweise mit pointiertierter Präzision, die selbst aus Running Gags wie dem gelben Polizei-Plastikband oder Ostereiern ein Optimum an Wirkung erzielt. Bei entsprechend sorgfältiger Synchronisation sollten Altmans spöttischen Delta-Blues die besten Häuser offen stehen. ger. Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag